10. August 2019

Reflektierter Umgang mit dem Recht wurde ans Herz gelegt: Zweites Mayener Gespräch regte zum Nachdenken an

Am 23. Mai hat­te die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land allen Grund zum Fei­ern. Immer­hin konn­te sie an die­sem Tag auf 70 Jah­re Grund­ge­setz und damit auf 70 Jah­re Frie­den, Frei­heit und Demo­kra­tie zurück­bli­cken. Bei der Arbeit an die­ser deut­schen Ver­fas­sung hat­ten die Väter und (weni­gen) Müt­ter des Grund­ge­set­zes vor allem die Schre­cken von Krieg und Nazi-Her­r­­schaft vor Augen. Gera­de hier­von soll­te sich das Rege­lungs­werk fun­da­men­tal unter­schei­den. Es soll­te viel­mehr dazu die­nen, dass sich so etwas wie das Drit­te Reich in Deutsch­land nie mehr wie­der­holt. Dies hat­te natür­lich auch Aus­wir­kun­gen auf die Gestal­tung des äußers­ten Mit­tels (ulti­ma ratio) des Rechts, des Straf­rechts, das die Natio­nal­so­zia­lis­ten zur Errei­chung ihrer Zie­le zu nut­zen wuss­ten. Die Maye­ner Stadt­ver­bän­de von CDU und JU nah­men das nun zum Anlass, um sich im Rah­men ihres zwei­ten „Maye­ner Gesprächs“ mit dem natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Straf­recht aus­ein­an­der­zu­set­zen. Als Refe­ren­ten hat­te man sich hier­zu den Trie­rer Straf­rechts­pro­fes­sor Till Zim­mer­mann ein­ge­la­den. Unter dem Titel „Gum­mi und Eisen – Natio­nal­so­zia­lis­ti­sches Straf­recht“ arbei­te­te Prof. Dr. Till Zim­mer­mann dann zunächst her­aus, dass sich zwi­schen genu­in natio­nal­so­zia­lis­ti­schem und typisch-nati­o­­nal­­so­­zia­­lis­­ti­­schem Straf­recht unter­schei­den lie­ße. Als Bei­spie­le für genui­nes Nazi-Straf­­recht führ­te Zim­mer­mann etwa die bis heu­te im Straf­ge­setz­buch ent­hal­te­nen Tat­be­stän­de des Mor­des und des Tot­schlags an, aus denen sich nach wie vor die der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ideo­lo­gie ent­spre­chen­de „Täter­ty­pen­leh­re“ her­aus­le­sen lässt. Täter ist dem­nach nicht, wer eine bestimm­te Tat begeht, son­dern wer schon auf­grund sei­nes Typs durch und durch schlecht ist. Die Tat­be­ge­hung dien­te dann nur noch als Indiz. Unter typisch-nati­o­­nal­­so­­zia­­lis­­ti­­schem Straf­recht ver­stand Zim­mer­mann dem­ge­gen­über sol­che Vor­schrif­ten, deren Tat­be­stän­de – ent­ge­gen dem heu­te gel­ten­den Bestimmt­heits­ge­bot – bieg­sam wie Gum­mi und somit auf bei­na­he jedes Ver­hal­ten (also in jeder für die Macht­ha­ber zweck­dien­li­chen Situa­ti­on) anwend­bar waren. Die Rechts­fol­ge, die in so gut wie jedem Fall die Todes­stra­fe sein konn­te, war dage­gen hart wie Eisen. Anhand eini­ger neue­rer Geset­zes­an­trä­ge und Poli­tik­erzi­ta­ten mach­te Zim­mer­mann auch deut­lich, dass es wie­der ver­stärkt Ten­den­zen gibt, Recht im vor­ge­zeich­ne­ten Sin­ne zu gestal­ten. In der sich anschlie­ßen­den Dis­kus­si­on ging es dann unter ande­rem auch dar­um, wie man die­sen Ten­den­zen ent­ge­gen­tre­ten kann. Der Refe­rent leg­te nicht zuletzt einen reflek­tier­ten Umgang mit dem Recht ans Herzen.